Ute Noll im Interview

Aktualisiert: 21. Okt.

Prep Your Visibility - wie Fotoprojekte bessere Chance haben, entdeckt zu werden

ute-noll-ausstellung(c)anne-laila-schubert
© Anne & Laila Schubert

Künstlerische und dokumentarische Projekte sind der Schlüssel zu einer stärkeren Präsenz als Fotoprofi. Ute Noll kennt Strategien fürs Sichtbar-Machen der eigenen Arbeit. Im Gespräch mit Klaus Einwanger, BFF-Akademie-Leitung, bietet die Magazin-Macherin, Kuratorin, Autorin, Hochschul-Dozentin und Galeristin einen Einblick in ihren Round-Table-Workshop „Prep Your Visibility – wie Fotoprojekte bessere Chancen haben, entdeckt zu werden“.



© Ute Noll © Stefen Chow & Lin Huiyi © Corina Gertz © Ernst Coppejans © Ute Noll © Ute Noll


Prep Your Visibility - wie Fotoprojekte bessere Chancen haben, entdeckt zu werdenür Fotografie Hamburg. Im Gespräch mit Klaus Einwanger, BFF-Akademie-Leitung, bietet die Magazin-Macherin, Kuratorin, Autorin, Hochschul-Dozentin und Galeristin einen Einblick in ihren Round-Table-Workshop „Prep Your Visibility – wie Fotoprojekte bessere Chancen haben, entdeckt zu werden“. Am 29. Oktober ist die BFF Akadamie mit dem Workshop zu Gast bei der Akademie für Fotografie Hamburg.


Ute, Du willst FotografInnen zu mehr Sichtbarkeit verhelfen. Warum ist das nötig?

Wenn es mir als FotografIn und KünstlerIn wichtig ist, mein Projekt zu teilen, dann geht das nur über Sichtbarkeit für andere. Wie groß der Radius der Sichtbarkeit ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Unter anderem auch davon, ob meine Arbeit von Personen entdeckt wird, die sie in einem größeren Radius verbreiten können als ich das selbst kann. Das können etwa RedakteurInnen, AutorInnen, BloggerInnen, GaleristInnen und Verlage oder auch spezialisierte Plattformen online und offline sein.


Wie werde ich sichtbar?

Eine gute Voraussetzung dafür, entdeckt zu werden, ist ein Projekt, das aus der Masse von fotografischen Projekten heraussticht. Dazu muss es entsprechend ausgereift und aufgearbeitet sein. Es gehört zwar auch Glück dazu, doch ein gutes Netzwerk hilft ebenso wie ein Projektthema, das relevant für einen Ort, eine Region oder für unsere Zeit ist. FotografInnen unterstütze ich auf diesem Weg seit vielen Jahren. Bei Portfolioreviews, zu denen ich weltweit eingeladen werde, in Seminaren an der FH Bielefeld oder in meinen Workshops und persönlichen Coachings.


Deine Arbeit fokussiert sich auf künstlerische und dokumentarische Projekte. Welche Verbindungen gibt es zur kommerziellen Auftragsfotografie?

Ein künstlerisches oder dokumentarisches Projekt anzugehen und über eine längere Zeit zu verfolgen, kann neben der Auftragsfotografie eine erfüllende und sinnstiftende Herausforderung sein. Im Mittelpunkt steht der Wunsch nach persönlichem Wachstum – und dieses wird sich fast zwangsläufig auch positiv auf die kommerzielle Arbeit auswirken.


Inwiefern?

Sich Zeit für ein Thema zu nehmen, das persönlich interessiert, ist für viele der erste Schritt zu mehr Selbstbestimmtheit. Wenn die Arbeit daran mich auch noch erfüllt und mir die Chance gibt, mein Anliegen mit anderen zu teilen, kann dies zu innerer Zufriedenheit führen. Nicht selten habe ich dann ein Thema, über das ich mit anderen ins Gespräch komme und mich kenntnisreich austauschen kann, auch mit meinem Auftraggeber. Die schöpferische Energie, die bei der Auseinandersetzung mit meinem Projekt entsteht, schärft oft auch den Blick auf das eigene kommerzielle Profil und motiviert so, die eigene kommerzielle Bildsprache weiterzuentwickeln und ihre Wiedererkennbarkeit zu erhöhen.


Wie wähle ich ein passendes Thema und wie geht es dann weiter?

Die Suche nach dem Thema steht häufig am Anfang der künstlerischen Weiterentwicklung. Das beginnt mit der Frage des inhaltlichen Interesses und betrifft auch die Fragen nach der Herangehensweise und der eigenen Haltung. Diese Suche zieht sich häufig durch den gesamten Prozess. Denn meist stellen sich mit der Wahl des Themas zugleich eine Reihe weiterer Fragen. Zum Beispiel zur Bildsprache, zum Konzept und zur Dramaturgie. Viele TeilnehmerInnen kommen zwar bereits mit einer Idee für ein Thema bis hin zu einer umfangreichen Fotoserie. Aber nicht allen fällt es leicht, daraus ein tragfähiges Konzept für ein künstlerisches oder dokumentarisches Fotoprojekt zu entwickeln. Im Round-Table-Workshop erarbeiten wir auch hierfür die nötige Klarheit.


Wie kann ich mir einen Round-Table-Workshop vorstellen?

Der Round-Table-Workshop ist ein von mir angeleiteter Diskurs in einer Gruppe von maximal zwölf Personen. Ich hole jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer genau dort ab, wo sie oder er sich gerade befindet, unabhängig vom Genre und Stand des Projekts. Ich gebe Impulse, stelle Fragen, gebe Rückmeldungen. Wir sprechen über Themen der Zeit und über Inspirationen. Wir besprechen intensiv die mitgebrachten Bilder und Serien und wir bewegen uns dazu um den Arbeitstisch. Und wir gehen der Frage nach, welche Anforderungen AkteurInnen des Kunst- oder Buchmarkts an ein Projekt stellen und wie sich diese wiederum von denen der Magazinredaktionen unterscheiden.


Was bedeutet die Teilnahme für mich als FotografIn oder KünstlerIn konkret?

Das wichtigste Ziel ist das Vorantreiben des eigenen Projekts und die künstlerische Weiterentwicklung. Je nach individuellem Stand könnte das die Entwicklung eines Themas sein, die Analyse eines Konzepts oder die Bildauswahl und -anordnung für eine Ausstellung, ein Buch oder eine Internetseite. Es könnte ein Projekt-Statement formuliert werden oder sinnvolle Bildunterschriften für das Projekt. Ist eine Arbeit bereits ausgereift, bietet sich als Ziel auch die Entwicklung einer Strategie für das nachhaltige Sichtbar-Machen des Projekts an. Der Workshop ist zunächst auf ein Treffen ausgerichtet, mit Option einer Fortsetzung, für die, die langfristig an ihrem Projekt weiterarbeiten wollen.


Welche Vorteile hat es für mich, am Round-Table-Workshop teilzunehmen?

Die TeilnehmerInnen leisten sich eine unabhängige Fort- und Weiterbildung und erhalten während des Workshops wertvolles professionelles Feedback. Auch der strukturierte Austausch mit KollegInnen spielt eine wichtige Rolle, und letztlich profitiert jede und jeder auch von den Besprechungen der Projekte der anderen. Außerhalb eines organisierten Rahmens, wie ihn Portfolioreviews, Workshops oder Seminare bieten, gibt es ohne konkreten Anlass leider immer weniger Möglichkeiten für FotografInnen, eine Einschätzung der eigenen Arbeit von professionellen VerwerterInnen zu erhalten oder sogar von ihnen gefördert zu werden. In vielen Bereichen sind die Arbeitsabläufe heute stark verdichtet. Das hat dazu geführt, dass diejenigen, die einen größeren Radius der Sichtbarkeit ermöglichen können, sich erst dann als MentorInnen anbieten, wenn sie selbst ein Interesse an einem konkret definierten Ziel haben. So jedenfalls habe ich es in den vergangenen Jahren beobachtet, beispielsweise bei KuratorInnen, GaleristInnen, RedakteurInnen und VerlagsmitarbeiterInnen und auch an mir selbst.


Wie viel Erfahrung muss ich mitbringen?

Der Round-Table-Workshop richtet sich an Profi- und NachwuchsfotografInnen. Gerade diese Mischung macht die gemeinsamen acht Stunden so spannend und regt dazu an, außerhalb gewohnter Muster zu denken. Alle Teilnehmenden verbindet die Motivation, das eigene künstlerische oder dokumentarische Projekt zu entwickeln und gegebenenfalls auch langfristig daran weiterarbeiten wollen. Mein flexibles Round-Table-Konzept hat sich bewährt, dafür habe ich bereits sehr gutes Feedback von FotografInnen und KünstlerInnen erhalten und freue mich nun auf die TeilnehmerInnen der BFF-Akademie.


Zur Person der Referentin Ute Noll

ute-noll-portrait-bffakademie-referentin(c)anne-schubert
Ute Noll © Anne Schubert

Ute Noll ist seit über 20 Jahren Magazin-, Buch- und Ausstellungsmacherin mit Schwerpunkt Fotografie und betreibt seit 2007 die Galerie UNO ART SPACE in Stuttgart mit dem Schwerpunkt internationale Fotografie. Sie ist Fotodirektorin für die Kulturzeitschrift „Du“ und dort auch für die Heftdramaturgie verantwortlich. Als Fotoexpertin ist sie weltweit auf Fotofestivals und Portfolioreviews zu Gast und schreibt über Projekte, die sie dort entdeckt. Seit 2004 ist sie Mitglied des Kuratorenteams der Darmstädter Tage der Fotografie und der Jury des Merck Fotopreises. Seit 2009 lehrt sie den Workshop „Bild im Kontext“ an der FH Bielefeld. Aktuell baut sie ihr modulares Coaching-Angebot aus für freie und künstlerische Projekte von FotografInnen. Ute Noll absolvierte ihren Masterabschluss in Soziologie an der Universität Tübingen und studierte in ihrem Auslandsstudienjahr Fotografie und Video in den USA. www.utenoll.com www.unoartspace.com



Der Round-Table-Workshop „Prep Your Visibility – wie Fotoprojekte bessere Chancen haben“ mit Ute Noll findet am Samstag, 29. Oktober 2022, von 10 bis 18 Uhr in den Räumen der Akademie für Fotografie Hamburg (Gaußstraße 149, 22765 Hamburg) statt.

Weitere Informationen und Anmeldung in den Details des Workshops.








Über die BFF Akademie: Von Profis für Profis – von den Besten lernen

Profis – von den Besten lernen

bff-akademie-logo

Inhalte, Insights und Inspiration auf Augenhöhe sind das Credo. Das Bildungsangebot der BFF Akademie ist in seiner inhaltlichen, personellen und praxisbezogenen Kombination einzigartig. Bei Präsenzveranstaltungen an verschiedenen Orten in Deutschland sowie in Online-Seminaren erfahren BerufsfotografInnen und Young Professionals aus erster Hand von Fotoprofis, wie sie sich konzeptionell und kreativ erfolgreich aufstellen. Ins Leben gerufen wurde die BFF Akademie im Jahr 2021 vom Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e. V. (BFF). Sie agiert eigenständig unter dem Dach der BFF Service UG und der Geschäftsführung von Klaus Einwanger.


Unterstützt wird die BFF Akademie von den Partnern Leica, Epson, Adobe, ARRI und dem Umweltfestival »horizonte zingst«.


Mehr Informationen zum aktuellen BFF Akademie-Angebot in unserem aktuellen Programm.